Sonntag, 30. April 2017

Wolf Singer, Matthieu Ricard "Jenseits des Selbst"


 Sendetermin meiner Rezension: Donnerstag, 4. Mai, 14.55 Uhr, SWR 2

Der Neurowissenschaftler Wolf Singer und der buddhistische Mönch Matthieu Ricard haben sich acht Jahre lang immer wieder zu Gesprächen getroffen. Matthieu Ricard, der offizielle Französisch-Übersetzer des Dalai Lama, war früher Molekularbiologe, und deshalb begegnen sich zwei Wissenschaftler auf Augenhöhe.

Sie sprechen über Freiheit und Liebe, Wahrnehmung und Bewusstsein, über Achtsamkeit und die Frage, ob es ein Selbst gibt oder nicht. Was der Buddhismus bekanntermaßen verneint: Es gebe keine Entität namens Selbst, nur einen kontinuierlichen Strom von Erfahrungen. Der Neurowissenschaftler sieht das natürlich anders: Ein starkes Selbst sei notwendig, um in der Welt zu bestehen. Der Mönch kontert: Nicht ein starkes Selbst sei notwendig, sondern ein starker Geist. In der Frage nach dem Selbst kommen sie zu keiner Übereinstimmung, was auch nicht zu erwarten war. Der Urgrund des Seins oder die "primäre Ursache", wie Matthieu Ricard es nennt, entzieht sich der Untersuchung durch die Wissenschaft. Noch zumindest.

Sie kommen oft von weit entfernten Positionen aufeinander zu, sind keineswegs immer einer Meinung (wie erfrischend!), lauschen aber dem anderen mit Aufmerksamkeit und echtem Interesse. Und nachdem sie die Begriffe des anderen geklärt haben, finden sie manchmal überraschende Übereinstimmungen.

Ein anspruchsvolles, bereicherndes Buch. Nicht nur für Wissenschaftler und Meditierende. Große Lese-Empfehlung von mir.


Dienstag, 25. April 2017

Kintsugi. Die Schönheit des Zerbrochenen.


Der japanische Shogun des 14. Jahrhunderts Ashikaga Yoshimitsu zerbrach einst seine liebste Teeschale. Er ließ sie nach China schicken in der Hoffnung, sie von erstrangigen Keramikern so repariert zu bekommen, dass sie wieder wie neu aussehen würde. Als die Schale jedoch zurückkam, war er entsetzt: Die Scherben waren lieblos mit Metallklammern zusammengefügt. Da beauftragte er die besten Keramiker seines Landes mit der Reparatur. Nach langem Experimentieren präsentierten sie dem Shogun eine Teeschale, die aus den Scherben der alten bestand, aber ganz und gar neu war: Sie hatten die Bruchlinien mit einer Paste zusammengeklebt, der sie reinen Goldpuder zugesetzt hatten. Sie nannten das Verfahren kintsugi. Kin = golden, tsugi = zusammenfügen.

Anstatt die Beschädigung zu verstecken, hatten die Keramiker sie in einem künstlerischen Akt betont und die Schale zu wahrer Schönheit erhoben.

Kintsugi wird bis heute in Japan ausgeübt, und seine Symbolik hat viel mit Zen zu tun. Wenn unsere Pläne, unsere Ziele, unsere Gesundheit, unser Arbeitsplatz, unsere Ehe vom Leben einfach so zerbrochen werden - was tun wir dann? Suchen wir uns eine anerkannte Autorität, die sich irgendwie den Ruf erworben hat, Experte für das Zusammenfügen von Zerbrochenem zu sein, und möglichst weit entfernt lebt und teuer ist (Arzt / Therapeutin / Guru / Zen-Meisterin / Priester); erwarten wir, dass die Person unser Leben so wieder herstellt, wie es vorher war? Versuchen wir selbst verstohlen, aus den Scherben die alte Form wieder herzustellen, vielleicht indem wir sie notdürftig verklammern mit irgendwelchen Arrangements oder falschen Kompromissen, die keinen Beteiligten glücklich machen? Verstecken wir verschämt unsere Gebrochenheit vor der Welt, weil sie nicht hineinpasst in die allgemeinen Vorstellungen von Perfektion, Fitness und "Glücklichsein"?

Oder fällt uns rechtzeitig ein, dass wir die einzigen Experten für unser Leben sind, sammeln die Scherben auf und setzen sie (vielleicht hilft ein naher Mensch dabei) liebevoll zu einer ganz neuen Form zusammen? In ihr ist das Alte immer noch enthalten, aber jetzt ist es tragfähig geworden, denn wir haben jeden winzigen Rest-Splitter unseres Lebens zusammengefügt mit unserer Behutsamkeit, Achtsamkeit und Wertschätzung, unserem Mut und unserer Kreativität - unseren kostbaren Fähigkeiten, die Gold wert sind.

Vorher sah unser Leben aus wie das Leben vieler anderer. Jetzt ist es einzigartig. Ganz und gar unseres. Ein Lebens-Kintsugi.


Donnerstag, 20. April 2017

Seminar im Kloster Heiligkreuztal 2017


Kloster Heiligkreuztal
5. - 7. Mai 2017

Die Kostbarkeit des Augenblicks

Seminar mit Margrit Irgang


Sehen wir uns? Ich würde mich freuen.

 

Montag, 17. April 2017

Friedvolle Ostern


Was sind das für Zeiten, in denen die Osterbotschaften der Kirchen nicht frohe Botschaften sind. Sondern von Krieg, Gewalt und Terror sprechen. 

Thich Nhât Hanh sagt uns immer wieder, dass die Welt ein Spiegel ist für unseren Geist: "Ihr könnt erst Frieden erschaffen, wenn ihr selbst friedvoll seid."

So höre ich das wunderbare Lied "Verleih und Frieden gnädiglich" von Felix Mendelssohn, das mein Chor gerade für das nächste Konzert probt: Als Erinnerung daran, den tiefen Frieden zu berühren, der das wahre Wesen meines Seins ist - des göttlichen Seins, von dem wir alle Teil sind. Vielleicht erschafft dann mein friedvoller Geist in der winzigen Ecke der Welt, die ich bewohne, ein wenig Gewaltfreiheit.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern meines Blogs ein friedvolles Osterfest.

Donnerstag, 13. April 2017

Ratlose Tauben, ein beleidigter Kater und ich, die über unterschiedliche Prioritäten nachdenkt

Die restlichen Federn sind vom Winde verweht

Der Kater hat eine Taube gefleddert.

Ich habe das gar nicht mitbekommen. Es gab ein paar dumpfe Schläge auf dem Dach, und da sprang er schon auf den Balkon, der Kater, und legte mir ein großzüges Maulvoll Federn vor die Füße. Dann bemerkte ich die große Stille über mir. Das jährliche Balzgegurre auf dem Dachfirst war verstummt. Kein Nestbau mehr unter der Solaranlage, dort, wo kein Mensch hinkommt, ohne in Gefahr zu sein, sich den Hals zu brechen. Die Federn vor meinen Füßen waren Taubenfedern.

Zwei Stunden später entdeckte ich das Taubenpaar auf dem Dachfirst des gegenüberliegenden Hauses. Die eine sah an der rechten Seite aus wie gerupft. Beide wirkten irgendwie ratlos. Und waren sehr sehr still. Ihr Taubenuniversum war aus dem Lot geraten. Sie hatten doch nur einen sicheren Platz für ihren Nachwuchs gesucht; den Platz kannten sie seit Jahren, der war doch immer gut gewesen. Feinde, hatten sie gelernt, kommen von oben, in Form von Habicht, Bussard, Uhu. Welche Taube rechnet mit einer Katze auf dem Dach! Vielleicht müssen jetzt im Taubenhirn ganz neue neuronale Schaltungen gelegt werden. Man kennt das ja von Vögeln, die als Gemeinschaft das übernehmen, was einer der Ihren gelernt hat, wie Rupert Sheldrake in seinen Forschungen zu den morphogenetischen Feldern so eindrücklich zeigt. Also wird vielleicht in die Hirne aller künftigen Tauben einprogrammiert: Nistet nicht auf Dächern, da lauert der Feind. Und der Kater hätte einen wertvollen Beitrag geleistet zur Verminderung der Taubenpopulation in Städten.

Ich habe mit dem bösen Kater geschimpft. Da war er sehr beleidigt; er hatte doch nur getan, was Katzen eben so tun, und mir sogar diese schönen Taubenfedern zum Geschenk gemacht. Wenn er beleidigt ist, klappert er mit dem Gebiss und gibt ein Widermaunzen mit einem Knurren als Unterton. Ich schimpfe. Er knurrmaunzt. Er hat immer den letzten Ton, weil ich irgendwann aufgebe.

Ich sah dann das Taubenpaar wegfliegen. Die Gerupfte flog etwas taumelnd, aber sie flog. Und seitdem ist keine Taube mehr zu sehen in meinem Viertel.

Der gute Kater. Der mir so eine herrliche Stille erschaffen hat.

(Übrigens: Mal auf den kleinen Button "Kommentare" unten klicken. Da steht auch Lesenswertes. Man kann auch selbst Gedanken dort hinterlassen. Nur mal so als Anregung ...)

Dienstag, 4. April 2017

Künstler der Stille #5: Agnes Martin und die atmenden Bilder


Kunstmuseum Winterthur im Frühjahr 1992. Ich hatte ein Bild aus einer Ausstellung in meiner örtlichen Zeitung gesehen und war in die Schweiz gefahren, um diese unglaublichen Bilder im Original zu sehen. Es waren kleine Arbeiten auf Papier, Linien, Gitter, ein Hauch von Farbe im Hintergrund. Ich war die einzige Besucherin. Ich blieb drei Stunden und war glücklich. Das kann ich nicht erklären: Dieses tiefe Glücksgefühl, das die Bilder von Agnes Martin immer wieder in mir auslösen. Es ist ein Glück, das aus Leichtigkeit, Licht, Weite und Freiheit besteht. Aus Alleinsein. Aus Einverstandensein mit dem, was ist. In diesen Bildern bin ich zu Hause.

Ich kaufte den schmalen Katalog mit ein paar Schriften von einer, die das Wort nicht mochte und nicht brauchte. Jemand sagte mir, sie habe in den letzten fünfzig Jahren ihres Lebens keine Zeitung mehr gelesen. Das verstand ich sofort. Sie brauchte keine Neuigkeiten. Sie hatte das Sein, den Urgrund, aus dem sie schöpfte. Sie wusste so viel. Alles, was wirklich wichtig ist, wusste sie.

Ihr Kunsthändler und Vertrauter der letzten Jahre Arne Glimcher sagte: "The painting is a key to the art within you." Diese Bilder sind Meditationsobjekte. Sie öffnen uns für den Künstler in uns selbst. Also für das, was wir wirklich sind.

"Our inspirations come as a surprise to us. Following them our lives are fresh and unpredictable. But if in disobedience we imitate the lives of others or follow concepts or precepts our lives will be dull and unsatisfying and predictable. You can only be happy by being on the path of your unfolding potential. The path will be revealed to you by a request to your own mind.

Inspiration is a command. While you have a choice that is not inspiration. If a decision is required that is not inspiration and you should not do anything by decision. It is simply a waste of time. Only actions carried out in obedience to inspiration are effective.

To discover the conscious mind in a world where intellect is held to be valuable requires solitude - quite a lot of solitude. We have been very strenuously conditioned against solitude. To be alone is considered to be a grievous and dangerous condition. 

Best things in life happen when you are alone. All revelations."  Agnes Martin

"Unsere Eingebungen kommen zu uns als Überraschung. Folgen wir ihnen, ist unser Leben frisch und unvorhersehbar. Aber wenn wir nicht gehorchen und das Leben von anderen nachahmen oder Konzepten und Geboten folgen, wird unser Leben langweilig, unbefriedigend und berechenbar sein. Du kannst nur glücklich sein, wenn du auf dem Weg deines sich entfaltenden Potenzials bist. Der Weg wird dir gezeigt, wenn du deinen eigenen Geist darum bittest.

Eingebung ist ein Befehl. Wenn du eine Wahl hast, ist das nicht Eingebung. Wenn eine Entscheidung verlangt wird, ist das nicht Eingebung, und du solltest nichts auf Grund einer Entscheidung tun. Das ist einfach Zeitverschwendung. Nur Handlungen, die der Eingebung gehorchen, sind wirkungsvoll.

Den bewussten Geist in einer Welt zu entdecken, die den Intellekt für wertvoll hält, erfordert Alleinsein - ziemlich viel Alleinsein. Wir sind sehr energisch gegen das Alleinsein erzogen worden. Allein zu sein wird als schmerzhafter und gefährlicher Zustand betrachtet.

Die besten Dinge im Leben geschehen, wenn du allein bist. Alle Offenbarungen." Agnes Martin


Hier ein Video aus ihren letzten Lebensjahren.

Mittwoch, 29. März 2017

Wahrnehmung: Was findet mich?


"Wahrnehmung" ist ein Wort, das mich immer wieder beschäftigt. Warum nehme ich plötzlich etwas wahr, das die ganze Zeit da war, ohne dass ich es wahrgenommen habe?

Ich habe gerade die sehr guten Gespräche zwischen dem Neurowissenschaftler Wolf Singer und dem buddhistischen Mönch Matthieu Ricard für den SWR rezensiert (das Buch stelle ich demnächst hier vor). Die beiden beschäftigen sich auch eingehend mit Wahrnehmung. Wolf Singer sagt: "Ich behaupte, dass Wahrnehmung immer Interpretation ist und daher sensorischen Signalen notwendigerweise Eigenschaften zuweist. In diesem Sinne sind Wahrnehmungen immer Konstrukte." Wolf Singer also verbindet Wahrnehmung sofort mit der Interpretation, die wir ihr geben. Aber vielleicht gibt es eine frühere Ebene der Wahrnehmung? Der buddhistische Mönch Matthieu Ricard spricht von der Einsicht in die wahre Natur der Dinge: "Die Erkenntnis, dass die Welt der Phänomene ein dynamischer, interdependenter Fluss von Ereignissen ist, und das Wissen, dass das, was wir wahrnehmen, aus der Wechselbeziehung unseres Bewusstseins mit ebendiesen Phänomenen resultiert." Einsicht also, und das ist schon eine weit tiefere Ebene als die der Interpretation.

Aber es gibt noch eine höhere Ebene, und von ihr spricht das Zen. Dort gibt es niemanden mehr, der wahrnimmt: "Es gibt nur das Wahrnehmen; es gibt niemanden, der wahrnimmt. Wenn erkannt wird, dass es keinen gibt, der wahrnimmt, und das Wahrnehmen alles ist, was es gibt, werden ganz selbstverständlich das Wahrnehmen und das Wahrgenommene als zwei Aspekte des vereinigen Ganzen gesehen, wie Zahl und Kopf einer Münze. Zahl und Kopf können nicht getrennt werden. Der Körper ist ein Sinnesorgan des Bewusstseins. Ohne den Körper und den Geist könnten die Bäume sich selbst nicht sehen. Für Gewöhnlich meinen wir, dass wir einen Baum anschauen, aber der Baum schaut auf sich selbst durch uns. Ohne dieses Instrument kann der Baum sich nicht sehen. Wir sind Sinnes-Instrumente des Göttlichen." (Adyashanti)

In jedem meiner Seminare schicke ich uns alle für eine knappe Stunde auf einen Wahrnehmungs-Gang ins Freie - in den Wald oder den Klostergarten oder was immer das jeweilige Seminarhaus bietet. Wir haben vorher einen Tag lang in Stille und Schweigen gesessen und gegessen, und jetzt tritt die Welt in unseren Erfahrungsbereich. Nicht die laute große wirbelige (die würden wir in diesem Moment überhaupt nicht aushalten), sondern die Natur, die ja immer da ist. Aber sie scheint sich verwandelt zu haben: So intensiv haben die Vögel noch nie gesungen, so blau waren die Leberblümchen noch nie, so zart sahen die kleinen sich entfaltenden Fächer der Birkenblätter noch nie aus.

Und weil sie aus der inneren Stille heraus wahrnehmen, verstehen alle Teilnehmer sofort: Der Gesang der Vögel, die Farben der Blumen und die Knospen brauchen unsere Interpretation nicht. Sie sind einfach da. In dem Raum, den sie und wir teilen. Das genügt. Das ist mehr als genug.

Wenn unser inneres Geplauder - all das Kommentieren, Bewerten, Etikettieren - schweigt, wird der innere Raum groß und weit. In ihm singen die Vögel, blühen die Blumen, fällt der Regen. Wer nimmt hier wen wahr? Haben wir die Natur gesucht, oder hat die Natur uns gefunden?

Ich habe inzwischen eine sehr schlichte Interpretation von Wahrnehmung: Ich nehme etwas wahr und staune, dass es mich gefunden hat. Manchmal mag ich das, was mich gefunden hat, manchmal auch nicht. Das ist nicht wichtig. Es braucht mich, ich bin sein Sinnesorgan. Dabei kann ich es natürlich nicht belassen. Ich will das Wahrgenommene "ausdrücken", in Worten, Bildern oder Klängen. Und das, ja, das ist dann doch wieder Interpretation. Aber wenn die Stille, in der ich es wahrgenommen habe, tief und weit genug war, wenn also mein Bewusstsein sich eingeklinkt hat in das Bewusstsein des großen Ganzen, gelingt vielleicht der Ausdruck ohne Willkür, ohne Einmischung des Egos.

Und so gehe ich manchmal einfach vor mich hin, wie Goethe: "Nichts zu suchen, das war mein Sinn." Und lasse mich finden.


Mittwoch, 22. März 2017

Das Netz des Indra


"'Es gibt für jeden Tag zwei Pläne - meinen und den des Geheimnisses', sagen die Ureinwohner von Grönland, die Inuit. Wie alle indigenen Völker wissen sie noch, was auch wir einst wussten: Wir sind so viel größer als das, was wir im Allgemeinen für unser Ich halten. Wir sind verbunden mit der Sonne, dem Regen, dem Wind und dem Schnee. Wir teilen diese Welt mit den Tieren, den Pflanzen und allen anderen Menschen. Wir sind eingebettet in eine Ganzheit, und alles in dieser Ganzheit lebt, atmet, webt an dem großen Netz, das wir Leben nennen, und wirkt auf uns ein.

Wie kommen wir dazu, zu glauben, wir könnten unabhängig von diesem großen Zusammenhang unsere kleinen egoistischen Pläne machen, die sich gefälligst auch zu erfüllen haben? Woher nehmen wir unsere Arroganz, uns zu beklagen, wenn diese Pläne entschieden durchkreuzt werden?

In Hinduismus und Buddhismus gibt es ein schönes Bild für die Verbundenheit alles Seienden. In diesen Traditionen wird erzählt, Gott Indra habe ein Netz geknüpft und jeder Knoten darin sei ein in viele Facetten geschliffenes Juwel. Wenn nun in einem Juwel eine Bewegung stattfindet, spiegeln alle anderen Juwelen diese Bewegung wieder, werden von der Bewegung, die sie aufgenommen haben, verändert, und ihr verändertes Sein wird wiederum von allen anderen Juwelen gespiegelt. Jeder Mensch, jedes Tier, jede Pflanze und jedes Mineral - sagt die Tradition - ist ein solches Juwel. Wenn also in einem Menschen eine Bewegung stattfindet, wird sie von den Menschen in seiner Umgebung aufgefangen und weitergespiegelt."





Aus dem Buch : Margrit Irgang "Die Kostbarkeit des Augenblicks. Was der Tod für das Leben lehrt", Kreuz Verlag, ISBN 978-3-451-61303-6

Donnerstag, 16. März 2017

Mein Seminar im Kloster St. Trudpert


Da mich etliche Seminarteilnehmer in den vergangenen Jahren gefragt haben, ob ich nicht einmal ein etwas längeres Seminar anbieten will, habe ich die Einladung von Herder-Reisen angenommen. Ich lade Sie und Euch also herzlich ein in das schöne Kloster St. Trudpert in Münstertal, südlich von Freiburg. Münstertal ist Bahnstation und deshalb problemlos auch ohne Auto erreichbar.

Leuchtende Stille

Meditations-Seminar mit Margrit Irgang

Dienstag, 25. April, bis Freitag, 28. April 2017

Hier Informationen und Anmeldung (klick) 

Wer die Stille ein wenig ausklingen lassen will, kann seinen Aufenthalt im Kloster verlängern. 

Das Video zeigt einen Drohnen-Flug über die Klosteranlage - ist das nicht der perfekte Ort für ein Seminar mit dem Titel "Leuchtende Stille"?

Ich freue mich sehr darauf, mit Euch und Ihnen die Stille zu teilen und Achtsamkeit zu praktizieren.
 

Sonntag, 12. März 2017

Museumsinsel Hombroich


Ich lernte Karl-Heinrich Müller vor etwa zwanzig Jahren bei einem Retreat mit Thich Nhât Hanh kennen. Ein Immobilienmakler, der Kunst liebte; ein Sammler, der sich einen Traum erfüllt hatte: eine "Insel" für seine Sammlung zu schaffen, auf der Natur und Kunst, Musik und Literatur einander inspirieren können. Karl-Heinrich Müller war auch ein zutiefst spiritueller Mann, und wir begannen ein Gespräch. Jahre später schlug ich dem SWR ein Feature vor über das Museum, das Karl-Heinrich Müller inzwischen in eine Stiftung überführt hatte, und fuhr auf seine "Insel", eine Auenlandschaft in der Nähe von Neuss: die Museumsinsel Hombroich.

Die Museumsinsel kann man nicht beschreiben, man muss sie erleben: Die atemberaubende Architektur (vor allem die von Tadao Ando), der Graubner-Pavillon, die ehemalige Raketenstation auf dem Gelände, die damals gerade zu einem Ort der Kunst umgebaut wurde, die Landschafts-Architektur. Ich unterhielt mich mit Karl-Heinrich Müller über Kunst und Spiritualität; saß im Häuschen des Beuys-Schülers Anatol neben dem prasselnden Holzofen und ließ mir von der Aufbruchszeit damals an der Düsseldorfer Akademie erzählen, als Anatol Beuys mit einem Kahn über den Rhein zurückholte, nachdem dieser entlassen worden war. Ich streifte durch die Wiesen, lauschte den Vögeln, entdeckte in den Pavillons - die selbst begehbare Skulpturen sind - geliebte Künstler wie Brancusi und Graubner, aber auch Statuen der Khmer und aus der Ming-Zeit und sitzende Buddhas voll ewiger Ruhe. Ich sah dem Spiel von Licht und Schatten zu, hörte die fast greifbare Stille und blieb drei Tage.

Karl-Heinrich Müller, dieser große Mäzen und bescheidene Mensch, ist tot, Anatol ist tot, und mein Feature ist nicht mehr in der SWR-Mediathek zu finden. Auch das gehört zur Vergänglichkeit, zum unablässigen Fließen der Phänomene. Nichts bleibt. Aber - noch - gibt es die Stille und das Licht und die Kunst auf der Museumsinsel Hombroich.

Im Frühjahr ist sie am schönsten. Und: Man sollte ganz früh dort sein, am besten als Erste. Hier die Homepage der Insel.