Mittwoch, 17. Mai 2017

Frau Irgang kocht. Und hat ein Schüsselerlebnis.



Selbst in altehrwürdigen Seminarhäusern heißt so etwas heute "Buddha Bowl". Zu dieser Inflation des Wortes Buddha sag ich jetzt mal nix.

Aber ich sage, was heute in meiner Schüssel war:

* Grüner Spargel
* Avocado
* Tomaten
* Rote Bete
* Quinoa (warm)
* Gebratener Halloumi, mit Mohn bestreut


Dazu ein geniales Dressing aus Frühlingszwiebeln, 1 TL Honig, 1 TL Harissa, etwas Zitrone, 1 EL Olivenöl. Mit Minze garnieren.

Das Dressing und die BOWL wurden inspiriert von der Köchin Anna Jones, die ich nicht genug loben kann. Ihre beiden Kochbücher "a modern way to eat" und "a modern way to cook" sind bei mir täglich im Einsatz. Mehr hier auf ihrer Homepage.

Übrigens gibt es beide Kochbücher auch auf Deutsch unter denselben (englischen) Titeln.

Freitag, 12. Mai 2017

Joachim Kaiser +11. 5. 2017

Quelle: Wikipedia

Seltsam, vor ein paar Tagen dachte ich an ihn. Ich hatte lange nichts von ihm gelesen. Es war immer stiller um ihn geworden, aber andererseits bekam ich so vieles aus seinem Umkreis und Wirken nicht mehr mit, seit ich München verlassen hatte.

Er war für viele Künstler - Musiker, Sänger, Schriftsteller und Theatermenschen - der eine große, der größte Kritiker Deutschlands. Universal gebildet, hochintelligent, begabt mit einer Formulierungskunst, die sehr oft die der Autoren, die er kritisch begleitete, übertraf.

Wir begegneten einander, als ich 1985 auf Einladung von Marcel Reich-Ranicki eine Geschichte beim Ingeborg-Bachmann-Preis in Klagenfurt las und Joachim Kaiser in der Jury saß. Die Gefechte zwischen "Kaiser und Reich" waren legendär. Die beiden waren Antipoden - der eine ein Schwertschwinger, der andere ein Florettfechter. Nun hatte ich das Glück, dass Reich-Ranicki meine Geschichte nicht mochte, was er begründete mit dem für einen Kritiker eigentlich völlig unmöglichen Satz "Ich mag keine Kindergeschichten". Das war das Stichwort für den Auftritt von Joachim Kaiser. Er analysierte meine Sprache und meine Form mit der hochsensiblen Wahrnehmung eines Musikers für Zwischentöne (meine Arbeit damals bestand fast ausschließlich aus Zwischentönen, die Worte waren eher Gerüste für das Dazwischen ...), und als am letzten Tag jeder Juror seinen Vorschlag für den Bachmann-Preis vortrug, nannte er meinen Namen. Als Einziger. Es gab aber noch zwei andere Preise. Für den zweiten Preis nannte er - mich. Und als es dann zum dritten Preis kam, und er anhob: "Man muss es dreimal sagen ...", tobte das Auditorium, und es schlossen sich ihm tatsächlich zwei andere Juroren an.

Ich bekam keinen Preis. Es war mir gleichgültig. Diese ganze unsägliche Veranstaltung, bei der es nicht um die Literatur ging (und wohl bis heute nicht geht), sondern um Selbstdarstellung von Autoren und Kritikern, hätte ich am liebsten am ersten Tag verlassen, wenn es Kaiser nicht gegeben hätte. Weil da einer saß, der die Literatur liebte, wirklich liebte, und deshalb litt, wenn etwas danebengegangen war, und sehr, sehr scharf werden konnte, wenn er hohle Formulierungen hörte oder einen Autor eitel fand (er, der selbst nicht ohne Eitelkeit war). Und weil einer, endlich, meine Arbeit verstanden hatte. Nachdem alles vorbei war, kam er auf mich zu und stand unter Strom, wie immer damals. "Die verstehen alle nichts von Literatur", sagte er. "Gefällt es Ihnen hier? Ich finde es furchtbar." Und: "Ich wusste, dass Sie den Preis nicht bekommen würden, aber ich wollte unbedingt auf Sie aufmerksam machen."

Das war ihm gelungen. Kurze Zeit später bekam ich den Bayerischen Literaturpreis und den Rom-Preis Villa Massimo, aber da begann ich schon - das wusste ich damals noch nicht -, mich von der Welt der Eitelkeiten des Literaturbetriebs abzuwenden.

Joachim Kaiser ist am 11. Mai 2017 gestorben. Er hat mir einen Weg eröffnet. Ich werde diese eine und einzige Begegnung mit ihm nie vergessen.

Donnerstag, 11. Mai 2017

Post aus Finnland


 ... ein winziges Buch (4 x 5,5 cm) von Taija, Leserin und Weggefährtin, die den schönen Blog "Augengeblicktes" hat. Das Titelblatt aus Birkenhaut, drei kleine Fächer innen, darin drei winzige Federzeichnungen mit einem Hauch Farbe, Wahrnehmungsmomente aus Finnland: Weil doch meine Seele eine Finnin ist, die sehr viel mehr Weite, Ruhe, Stille und Einsamkeit braucht, als sie hier, wo sie nun mal lebt der Sprache wegen, findet ...


... und dann träumt da oben noch die Katze, und ich sehe, dass sie ihrer Umgebung vertraut: Das ist eine Katze, die nur Gutes kennt, Frieden, Wärme und Sattheit, und deshalb schläft sie so tief ...

Ganz großen Dank, liebe Taija, ich habe mich sehr gefreut!

Montag, 8. Mai 2017

Ein Same des Absoluten


Das Absolute arbeitet mit nichts -
es gibt keine Lehrveranstaltung, kein Material.
Versuche, ein weißes Blatt Papier zu sein.
Sei ein Fleckchen Erde, auf dem nichts wächst,
aber etwas gepflanzt werden könnte,
vielleicht ein Same des Absoluten.

Rumi

The Absolute works with nothing.
The workshop, the materials
are what does not exist.
Try to be a sheet of paper with nothing on it.
Be a spot of ground where nothing is growing,
where something might be planted,
a seed, possibly, from the Absolute.

Rumi

Photo credit David Nyblack

Dienstag, 2. Mai 2017

Sei weit, sei weit!


Vor lauter Lauschen und Staunen sei still,
du mein tieftiefes Leben;
dass du weißt, was der Wind dir will,
eh noch die Birken beben.

Und wenn dir einmal das Schweigen sprach,
lass deine Sinne besiegen.
Jedem Hauche gib dich, gib nach,
er wird dich lieben und wiegen.

Und dann meine Seele sei weit, sei weit,
dass dir das Leben gelinge,
breite dich wie ein Feierkleid
über die sinnenden Dinge.

Rainer Maria Rilke