Sonntag, 17. Dezember 2017

Ein paar Buchempfehlungen für Weihnachtsgeschenke


Falls Sie noch Weihnachtsgeschenke suchen sollten: Hier stelle ich ein paar Bücher vor, die ich in diesem Jahr gern gelesen oder wiedergelesen habe und die man nicht auf Bestseller-Listen findet.

Ilija Trojanow "Nach der Flucht", S. Fischer Verlag. Trojanow ist als Kind mit seiner Familie aus Bulgarien geflohen. Sehr persönlich erzählt er von seinen Erfahrungen als Geflüchteter und stellt fest: "Die Flucht wirkt fort, ein Leben lang." Meine Rezension in SWR 2 hier (klick)

Peter Handke "Gestern unterwegs", Verlag Jung und Jung. Die Journale von Peter Handke sind meine Lieblingsbücher, in denen ich immer wieder ein paar Zeilen lese. Handke ist ein Wahrnehmungs-Künstler, und wie er seine Wahrnehmungen Sprache werden lässt und dabei an jedem Wort, ja an jedem Buchstaben feilt, ist für mich als Autorin große Inspiration.

Klaus Merz "Helios Transport", Gedichte, Haimon Verlag. Genaue Beobachtungen, kluge Gedanken, reduzierte Sprache: Die Gedichte von Klaus Merz werden oft als Haiku bezeichnet, denn wir haben in Deutschland keine Tradition des kurzen Gedichts. Warum das so nicht stimmt, hören Sie in meiner Rezension in SWR 2 hier (klick)

Jean-Marc Ceci "Herr Origami", Hoffmann und Campe. Ein alter Origami-Künstler irgendwo in der Toscana, ein junger Uhrmacher, der eine Uhr konstruieren will, die alle möglichen Zeitmessungen abbilden soll: Jean-Marc Ceci hat ein Zen-Buch geschrieben, in dem nach dem Wesen der Zeit und der Erinnerung gefragt wird. Meine Rezension ist produziert, aber noch nicht gesendet. Ich versichere: Ein leises philosophisches Buch, anspruchsvoll und doch leicht zu lesen.


Colum McCann "Wie spät ist es jetzt dort, wo du bist?", Rowohlt Verlag. Colum McCann begleitet einen alten Mann in den letzten Stunden seines Lebens, und wie er das macht, ist große Literatur. Denn McCann lässt seine Figuren aus der Sprache entstehen und schaut ihnen zu, wie sie sich entwickeln. (Und das allein ist literarisches Schreiben - die Geschichte ist nicht so wichtig.) Wir wissen von Anfang an, dass der alte Mann ermordet werden wird, und doch ist dies kein Krimi. Ein Buch für Kenner und Liebhaber von Literatur! Meine Rezension in SWR 2 hier (klick)

Thomas Melle "Die Welt im Rücken", Rowohlt Berlin. Thomas Melle schreibt über seine manisch-depressive Erkrankung, und wie er das macht, ist für mich bewundernswert: Mit Klarheit und Distanz, ohne Schuldzuweisung (auch nicht an sich selbst) und doch so intensiv, dass es beim Lesen manchmal wehtut. Ein hartes, genaues Buch, das ich uneingeschränkt empfehle, denn es zeigt auch, dass Literatur imstande ist, im Chaos so etwas wie Struktur zu finden. Leider ist meine Rezension aus der Mediathek verschwunden. Aber es gibt andere Besprechungen im Web. Ist jetzt vielleicht nicht unbedingt als Weihnachtsgeschenk geeignet ...

... aber dies hier: Mariana Leky "Was man von hier aus sehen kann", Dumont Verlag. Wenn die alte Westerwälderin Selma von einem Okapi träumt, stirbt anschließend jemand im Dorf. Wer das nun sein wird und was bis dahin geschieht und auch später und überhaupt, erzählt Mariana Leky spielerisch und mit großer Sprach-Freude. Ein Buch voller Wärme, und ganz versteckt gibt es auch ein paar buddhistische Weisheiten. Nicht rezensiert, aber gern gelesen.

Und jetzt einen Tee machen, den Plätzchenteller neben das Sofa stellen, die Leselampe anknipsen und lesen.


Donnerstag, 14. Dezember 2017

Frau Irgang bäckt: köstliche Mini-Lebkuchen

Es sind die kleinen schwarzen Häufchen auf den Oblaten

Beste Weihnachts-Nascherei, nach einem Rezept meiner Freundin Dagmar:

100 gr Marzipanrohmasse (unbedingt in Bio-Qualität, geschmacklich lohnt sich das)
200 gr gemahlene Haselnusskerne
100 gr Rohrohrzucker
60 gr Preiselbeerkonfitüre
3 Eiweiß
2 TL Lebkuchengewürz
1 TL gemahlener Zimt
1 Messerspitze Hirschhornsalz
Backoblaten
80 gr Zartbitterkuvertüre und 80 gr dunkle Kuchenglasur

Marzipan klein schneiden, mit allen Zutaten außer der Schokolade mit dem Handrührer glatt rühren. Mit zwei Teelöffeln Häufchen auf Oblaten setzen. Bei ca. 180 Grad etwa 15 Minuten backen. Auskühlen lassen. Im Wasserbad Kuvertüre und Kuchenglasur schmelzen, die Lebkuchen kopfüber hineintauchen. Fest werden lassen.

Gut verstecken, sonst sind sie nächste Woche aufgegessen.


Montag, 4. Dezember 2017

Das magische Leben


"Wenn du Freiheit wählst, wird das Leben magisch. Das Leben, das du dann führst, ist eins, in dem das Selbst in verborgener Übereinkunft mit deiner Menschlichkeit ist. Das Selbst beginnt, mit deinem Leben zu harmonisieren, und dein Leben könnte sich auf eine Weise entwickeln, die du nie hättest vorhersehen können. Das Magische daran ist, dass sich das umso besser anfühlt, je mehr du loslässt. Je tiefer du in die Unsicherheit gehst, umso mehr bemerkst du, wie sicher und beschützend sie ist. Das, was du gerade verlassen hast, war unsicher. Die Menschen fühlen sich so elend, weil sie Sicherheit suchen in Dingen, die begrenzt sind, sich unablässig bewegen und auf unvorhersehbare Weise verändern."

Adyashanti

(In diese Richtung bewege ich mich jetzt mal. Damit Leben ins Leben kommt. Und die Magie wieder spürbar wird. Wo draußen doch alles in eisiger Kälte erstarrt ist, und solch eine Kälte - man muss da sehr aufmerksam sein! - gern leise und unbemerkt nach innen kriecht. Und da gehört sie nun wirklich nicht hin.)

Habt es alle schön warm!